Studien zur Heimerziehung

Stellungnahme der Bundesregierung zum Thema Heimerziehung 1949-1975

Verspätete Modernisierung LVR

Von Tritten und Schlägen mit Teppichklopfern und Rohrstöcken bis hin zur Bewusstlosigkeit berichten Zeitzeugen, die zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und den siebziger Jahren in den Jugendhilfe-Einrichtungen des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) untergebracht waren. Dass Gewalt damals in den Heimen ein gängiges Erziehungsmittel war, ist das Ergebnis einer gestern vorgestellten Studie, die fünf Wissenschaftler im Auftrag des LVR angefertigt haben.

Das Spektrum an Strafmethoden in den Heimen reichte von verbalen Ermahnungen bis zu körperlichen Übergriffen. Auch der Einsatz von Psychopharmaka, um Jugendliche ruhig zu stellen, konnte anhand einer Dokumentation von 1966 nachgewiesen werden. In den Akten finden sich diese Vorgänge jedoch nicht alle wieder. „Erst mit der Hilfe von Zeitzeugen konnte das richtig aufgedeckt werden“, so Forscher Uwe Kaminsky.

Untersucht wurden die Zustände in den sechs vom LVR getragenen Landesjugendheime Erlenhof in Euskirchen, Fichtenhai in Krefeld, Halfeshof in Solingen, Dansweiler Hof in Freimersdorf, Haus Hall in Ratheim sowie im Haus in Viersen. Außerdem beschäftigten sich die Wissenschaftler mit der Rolle des Landesjugendamtes als Aufsichtsinstitution für Heime konfessioneller Träger.

Herangezogen wurden neben einer umfangreichen Aktenrecherche Interviews mit Zeitzeugen. Insgesamt meldeten sich 230 Betroffene bei der eigens eingerichteten Telefonberatung. „50 Personen davon waren in LVR-Heimen untergebracht, die übrigen 180 in konfessionellen Einrichtungen“, erklärt Kaminsky. Im fraglichen Zeitraum hatten im Rheinland etwa 73 000 Jugendliche Kontakt mit Institutionen der öffentlichen Erziehung.

Als Kernproblem machten die Forscher eine Unterfinanzierung des Landesjugendamtes und der Einrichtungen

Studie der Heimkinder in Bayern

Heimkinder zwischen 1949 und 1975 und die Beratungs- und Unterstützungsarbeit der bayerischen Anlaufstelle (im Rahmen des Fonds Heimerziehung)

Evangelische Heimerziehung in den 1950er und 1960er Jahren

In einem Gottesdienst im Herbst 2011 haben sich die Evangelische Kirche in Deutschland und das Diakonische Werk zur Mitverantwortung bekannt. In einer gemeinsamen Erklärung baten der Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider, und der Präsident des Diakonischen Werkes, Oberkirchenrat Johannes Stockmeier, die ehemaligen Heimkinder um Entschuldigung für das Erlittene.

Prof. Dr. Traugott Jähnichen, Leiter der Forschungsgruppe, die die Geschichte der konfessionellen Heimkindererziehung bearbeitet hat, fasste die Ergebnisse zusammen.

Evangelische Heimerziehung in den 1950er und 1960er Jahren, Statement von Prof. Dr. Traugott Jähnichen

Heimkinder und Heimerziehung 1945-1980 in Westfalen vom LWL

Beispielhafte Schilderung des Kinderheims in Niederdollendorf Haus Probsthof

Seit 1908 gehörte das Kinderheim in Niederdollendorf am Rhein zur Kaiserswerther Diakonissenanstalt. Erst 1964 wurde die Arbeit an einen eigenen Verein abgegeben, der noch heute den “Probsthof” betreibt

Schilderung der Zustände