Schwere Vorwürfe gegen Kinderpsychiater

https://www.tagesschau.de/investigativ/wdr/kinderpsychiater-winterhoff-101.html

Der bekannte Kinderpsychiater Winterhoff steht massiv in der Kritik. Ex-Patienten und Fachleute werfen ihm vor, zweifelhafte Diagnosen zu stellen und zu häufig ein ruhigstellendes Medikament einzusetzen. Von Nicole Rosenbach, WDR

Es sind nie die sanften Töne, mit denen Michael Winterhoff Aufmerksamkeit erregt. Schon mit seinem Buch „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“ aus den Jahr 2008 löste er eine heftige Erziehungsdebatte aus. Es folgten weitere Bestseller, Vorträge und zahlreiche Fernsehauftritte, auch in der ARD. Diese mediale Aufmerksamkeit hat ihn anscheinend unangreifbar gemacht, sagen Fachleute wie Betroffene. 10.08.2021 Reportage im Ersten Warum Kinder keine Tyrannen sind mediathek Der Kinderpsychiater Michael Winterhoff ist gern gesehener Gast in Talkshows und hält europaweit Vorträge. Mit seinem Buch „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“ (2008) löste er eine heftige Erziehungsdebatte aus. Ehemalige Patient:innen und Erziehungsberechtige erheben nun schwere Vorwürfe gegen ihn.

Die Gespräche mit ehemaligen Patientinnen und Patienten ergeben ein oft leidvolles Bild aus dem Praxisalltag des Bonner Kinderpsychiaters. „Ich bin ein Opfer von Dr. Winterhoffs Spielchen, von Dr. Winterhoffs Macht, die er über die Kinder ausübt“, sagt die ehemalige Patientin Jana S. in einer ARD-Dokumentation. In Fachkreisen werden seine Diagnosen schon lange als unwissenschaftlich kritisiert.

Michael Winterhoff | picture alliance / rtn - radio t

Der Kinderpsychiater Winterhoff wurde unter anderem durch seinen Bestseller und seine Fernsehauftritte bekannt. Bild: picture alliance / rtn – radio t

Standarddiagnose Narzissmus

So stülpe er seine Auffassungen von „frühkindlichem Narzissmus“ und „fehlendem Reifegrad“ abwertend über Kinder und Jugendliche, die eigentlich besonderer Fürsorge bedürfen. Der Hamburger Kinderpsychiater Michael Schulte-Markwort sagt dazu: „Die Beschreibung, du bist ein Narzisst, ist überhaupt nichts Diagnostisches, sondern ausgesprochen abwertend, defizit-orientiert und schädigend gegenüber Kindern.“

Die Dimension geht über die Bonner Praxis von Winterhoff weit hinaus und offenbart ein Systemversagen in der Jugendhilfe. Denn der Kinderpsychiater hat Kooperationen mit vielen Jugendhilfe-Einrichtungen und betreut hier Hunderte von Heimkindern. Er selbst gibt an, Kinder in 20 bis 30 Pflegefamilien und Heimen zu behandeln.

„Das wird mich nie in Ruhe lassen“

Ehemalige Bewohnerinnen und Bewohner schildern, dass sie alle paar Monate für wenige Minuten den Kinderpsychiater zu sehen bekamen und ihnen viele Jahre ein Psychopharmakon mit sedierender Wirkung namens Pipamperon verschrieben wurde. „Es wurde vermittelt: Ein Arzt hat es verordnet, es sei gut für uns“, erinnert sich die heute 20-jährige Jana.

Der Hamburger Kinderpsychiater Michael Schulte-Markwort | Sendungsbild WDR

Der Kinderpsychiater Schulte-Markwort kritisiert Winterhoffs Methoden als unwissenschaftlich Bild: Sendungsbild WDR


„Das wird mich nie in Ruhe lassen. Das ist eben auch das Gesundheitliche. Wer weiß, was in den nächsten Jahren kommt“, sagt die junge Frau, die jetzt bei der Ärztekammer darum kämpft, dass das, was sie durchleben musste, Konsequenzen hat. Ihr hatte Michael Winterhoff mehr als drei Jahre lang Pipamperon verabreicht, ab dem Alter von sieben Jahren.

Sorgeberechtigte nicht informiert?

Erst bei der Akteneinsicht im Jugendamt erfuhr ihr Vormund, dass Jana Medikamente bekommen hatte. Sorgeberechtigte müssen eigentlich umfangreich aufgeklärt werden, wenn Kinder Medikamente nehmen sollen. Allerdings gibt Michael Winterhoff an, dass er die medikamentöse Behandlung nicht wissentlich ohne Einwilligung der Sorgeberechtigten vorgenommen habe.

Erzieherin | Sendungsbild WDR

Die Erzieherin, die mit Winterhoff zusammengearbeitet hatte, macht sich heute schwere Vorwürfe. Bild: Sendungsbild WDR

In einer ARD-Dokumentation kritisiert eine Erzieherin, die viele Jahre lang mit Winterhoff in Einrichtungen zusammengearbeitet hat, dass der Bonner Kinderpsychiater das Individuum nicht sehen würde. „Es sind doch bei ihm alle Narzissten“. Schon viele Kinder seien daran zerbrochen. In den Schilderungen aus dem Heimalltag finden sich Ideen, die man auch in Winterhoffs Vorträgen hören kann. So solle man in kritischen Situationen seine Reaktion auf das Kind verzögern, es auf das Zimmer schicken oder ignorieren.

Psychopharmaka würden alle bekommen, so die Erzieherin. „Gehst du zu Winterhoff, hast du einen Narzissten und bekommst Pipamperon“, sagt sie. Das sei bekannt. Dass die Kinder in den Einrichtungen in den vielen Jahren dieser Medikation ihrer Kindheit beraubt würden, bedauert sie: „Die laufen herum wie Roboter.“ Winterhoff gibt an, die Kinder würden erst durch Pipamperon erreichbar für die heilpädagogische Arbeit. „Grundsätzlich ist der Einsatz von Pipamperon unbedenklich, solange die Behandlung kinderpsychiatrisch kontrolliert wird“, behauptet er.

Schwere Nebenwirkungen möglich

Dabei bringen internationale Studien Antipsychotika wie Pipamperon mit einer Reihe schwerer und langfristiger Nebenwirkungen in Verbindung. Sie stehen in Verdacht, Fettleibigkeit, Diabetes und Herzerkrankungen auszulösen. Es gibt Hinweise, dass sie dazu beitragen, dass sich die Gehirnmasse verringert.

Laut dem Hamburger Kinderpsychiater Schulte-Markwort handelt es sich bei Pipamperon um ein Notfallmedikament, das für kurze Zeit verabreicht wird, „wenn ein Kind in einen psychomotorischen Erregungszustand gerät“, also innerlich unruhig und angespannt ist. Es habe seiner Auffassung nach keine Indikation für eine Langzeitbehandlung. Doch die Jugendamtsakten so mancher Heimkinder belegen eine Dauermedikation durch den bekannten Kinderpsychiater.

15.01.2018 Niedersachsen Fragwürdige Tests mit Heimkindern ndr Das Ausmaß von Arzneimittelversuchen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Niedersachsen in den 1970er-Jahren ist größer als zunächst angenommen.

In einem Fall hatte Winterhoff einem Jungen zehn Jahre lang Pipamperon verschrieben. Eine Mutter und auch eine vom Gericht bestellte Vormünderin, die das Mittel bei Kindern reduzieren oder absetzen wollten, berichten, dass sich Winterhoff dafür einsetzte, ihnen das Sorgerecht zu entziehen. In einem Fall konnte Winterhoff Ämter und Gerichte sogar überzeugen.

Michael Winterhoff betont, er wende Pipamperon „in einer niederschwelligen Dosierung“ an. Sollten Nebenwirkungen auftreten, verringere er die Dosierung oder setze das Medikament ab.

https://www.ardmediathek.de/video/warum-kinder-keine-tyrannen-sind/das-erste/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL3JlcG9ydGFnZSBfIGRva3VtZW50YXRpb24gaW0gZXJzdGVuL2Q1ZWQ2NTAwLWFkYmItNDJlMC04NmVmLTNlYTExOTAzNDZmZQ/?fbclid=IwAR3fDGdpWB5NY2Ak5PQj6wmoKfaIYQdo4RHNNTQKXryc1PIsRiQUEyncpIQ

Neues Hilfe-Portal für sexueller Mißbrauch gestartet

Berlin, 09.08.21. Unter dem Motto „Hilfe suchen, Hilfe finden“ startet der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Missbrauchs (UBSKM), Johannes-Wilhelm Rörig, heute das neue Hilfe-Portal www.hilfe-portal-missbrauch.de. Hier finden Betroffene, Angehörige und Fachkräfte einen schnellen Zugang zu Hilfe und Beratung. Auch Menschen, die sich Sorgen um ein Kind machen oder Fragen zum Thema haben, erhalten hier Unterstützung.

Johannes-Wilhelm Rörig (UBSKM): „Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche betrifft die gesamte Gesellschaft. Es gibt sie überall. Meist findet sie im sozialen Nahfeld statt, dort wo sie niemand vermuten möchte: in Familien, in der Nachbarschaft, im Sportverein oder online. Betroffene und ihr Umfeld brauchen dann schnellzugängliche und passgenaue Unterstützung. Doch der Weg in die Beratung oder Therapie ist nicht immer einfach und kann zusätzlich belasten. Das Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch unterstützt dabei, Hilfeangebote in der Region zu finden, und bietet viele Informationen für alle, die mehr zum Thema wissen möchten. Wer Hilfe sucht, muss auch Hilfe finden können. Genau das ist das Ziel des neuen Hilfe-Portals.“

Portal lotst Nutzer*innen deutschlandweit zu passenden Hilfeangeboten

Das Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch lotst die Nutzer*innen je nach Anliegen über eine deutschlandweite Datenbank zu passenden Unterstützungs- und Hilfeangeboten – beispielsweise zu spezialisierten Beratungsstellen, Krisendiensten, Psychotherapeut*innen oder Anwält*innen. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, sich von Berater*innen des Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch unter Tel. 0800 22 55 530 anonym telefonisch oder auch online beraten zu lassen: www.hilfe-telefon-missbrauch.de oder www.hilfe-telefon-missbrauch.online.

Das Hilfe-Telefon und die dazugehörige Online-Beratung stehen unter der Trägerschaft vonN.I.N.A. e.V.(Nationale Infoline, Netzwerk und Anlaufstelle zu sexueller Gewalt an Mädchen und Jungen). Die Berater*innen am Hilfe-Telefon und in der Online-Beratung sind psychologisch und pädagogisch ausgebildete Fachkräfte, die die Ratsuchenden vertraulich und kostenfrei beraten und bereits seit vielen Jahren im Themenfeld des sexuellen Kindesmissbrauchs tätig sind.

Silke Noack, Leiterin Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch: „Wir wünschen uns, dass Menschen, die sich Sorgen um ein Kind machen oder selbst von sexualisierter Gewalt in der Kindheit betroffen waren, beim Hilfe-Telefon anrufen. Vielen Menschen fällt es jedoch leichter, zunächst eine Nachricht zu schreiben. Deshalb haben wir beim Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch unsere Online-Beratung ausgebaut. Das neue Hilfe-Portal bündelt unsere Angebote und macht sie leichter zugänglich. Wir möchten, dass alle Menschen wissen, dass es Hilfe gibt, und dass sie diese Hilfe für sich in Anspruch nehmen.“

Informationen und persönliche Geschichten erleichtern den Weg zur Hilfe

„Was ist sexueller Missbrauch?“ „Woran erkenne ich ihn?“ „Wo kann ich Unterstützung finden?“ – Die neue Rubrik „Fragen und Antworten“ bieten einen ersten Einstieg in das Thema. Wer noch nicht weiß, welches Hilfeangebot passen könnte, findet unter „Wissenswertes“ einen Überblick zu den Themen Hilfe in Krisen, Beratung, Therapie, finanzielle Hilfen, Recht, Prävention und Selbsthilfe sowie zu organisierter, sexualisierter und ritueller Gewalt. In den „Geschichten, die Mut machen“ berichten Betroffene und Helfende in Interviews von ihren persönlichen Erfahrungen. Sie sprechen darüber, was ihnen geholfen hat, wie sie anderen helfen – und natürlich, was ihnen Mut macht.

Der Relaunch wurde neben dem Team von N.I.N.A. begleitet von Expert*innen und Praktiker*innen aus Beratungsstellen, aus der Psychotherapie und dem Themenfeld Migration und Inklusion sowie vom Betroffenenrat beim Unabhängigen Beauftragten, der bei der Entwicklung uns Ausrichtung maßgeblich beteiligt war.

Betroffenenrat beim Unabhängigen Beauftragten: „Betroffene und Helfende sind meist in einer Ausnahmesituation. Langes Suchen nach Hilfe oder das Durchforsten verschiedener Internetseiten sind dabei oft große Hürden. Bereits in der Vergangenheit bot das Hilfe-Portal umfangreiche Informationen rund um das Thema sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend und ermöglichte über die Suchfunktion ein schnelles Finden von spezialisierten Angeboten. Dass jetzt mit dem Relaunch der Zugang noch niedrigschwelliger und Informationen umfassender sind, ist ein großer Gewinn für Betroffene, Unterstützer*innen und Interessierte.“

Banner und Grafiken für Websites und Social Media können unter www.hilfe-portal-missbrauch.de/downloads heruntergeladen werden. Dort findet sich auch die Broschüre „Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch. Anrufen – auch im Zweifelsfall“. Demnächst werden dort auch weitere Materialien wie Plakate und Kärtchen zum Hilfe-Portal und Hilfe-Telefon zur Verfügung stehen.

www.beauftragter-missbrauch.de   

www.hilfe-portal-missbrauch.de

www.hilfe-telefon-missbrauch.de

www.hilfe-telefon-missbrauch.online

Twitter: @ubskm_de

Instagram: @missbrauchsbeauftragter

Aufruf zur Verlängerung der Antragsfrist um 1 Jahr

Wir bedauern sehr, dass die Stiftung Anerkennung und Hilfe nur noch bis zum 30. Juni 2021 Anträge annimmt.

Seit mehreren Jahre betreuen wir die Betroffene, unterstützen sie bei den Anträgen, bei der Suche nach Dokumenten und Fotos aus der vergangenen Zeit in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Rheinland Köln (LVR).

Wir drei Selbsthilfegruppen „Selbsthilfegruppe ehemaliger Heimkinder in der Städteregion Aachen“, c/o Der Kinderschutzbund e.v Würselen, Würselen, mit Herrn Ernst Christoph Simon und „1. Community – Ehemalige Heimkinder NRW e.V.“, Uwe Werner, Mönchengladbach und Selbsthilfegruppe „Ehemalige Klosterkinder“ ,Aachen Josef Rothkopf bedauern das Ende der Einreichung der Anträge!

EKD löst Betroffenenbeirat auf – Mitglieder kritisieren Vorgehen

Die Beteiligung von Betroffenen bei der Aufarbeitung von Missbrauch in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist vorerst gescheitert.

Der vor sieben Monaten einberufene Betroffenenbeirat wurde aufgelöst, wie die Kirche am Montagabend mitteilte. Teile des Beirats kritisierten das Vorgehen der Kirche als einseitig. „Wir lassen uns nicht auflösen“, heißt es in der am Dienstag veröffentlichten Erklärung, die von vier der insgesamt zwölf Mitgliedern des Gremiums unterzeichnet wurde.

Foto: dpa

In dem Schreiben erklären die Mitglieder weiter, mit dem einseitigen Schritt versuche sich die EKD der Kritik von Betroffenen an ihren unzureichenden Prozessen der Aufarbeitung zu entziehen. Betroffenenbeteiligung brauche ein starkes Mandat, fachliche Begleitung und Transparenz. Entgegen eigener Verlautbarungen habe die EKD grundlegende Voraussetzungen für eine gelingende Betroffenenbeteiligung bis heute nicht geschaffen, kritisieren die vier Mitglieder. Die zwölf Mitglieder hätten diese Schritte immer wieder angemahnt.

Die EKD hatte in ihrer Pressemitteilung von Montagabend von einer Neuausrichtung der Betroffenenbeteiligung an der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt gesprochen. Nach den Rücktritten mehrerer Mitglieder und einem Antrag auf Auflösung aus dem Gremium heraus sei die bisherige Konzeption gescheitert. Die EKD plant nach eigener Darstellung, die Arbeit des bisherigen Gremiums zunächst auszusetzen und extern auszuwerten, um die Perspektive der Betroffenen künftig besser einzubeziehen. Auf der Grundlage der Evaluation sollten gemeinsam mit den ursprünglichen Mitgliedern des Betroffenenbeirats neue Formen der Beteiligung diskutiert werden.Interimslösung.

Um die laufenden Prozesse der Aufarbeitung und Prävention auf EKD-Ebene auch im Übergang voranzubringen, gebe es eine Interimslösung. Der Entscheidung für eine Neuausrichtung vorausgegangen seien mehrere Gespräche zwischen dem Beauftragtenrat der EKD zum Schutz vor sexualisierter Gewalt und den ehemaligen und verbliebenen Mitgliedern des Betroffenenbeirats. Diese hätten zu keinem Konsens geführt.

Dagegen sehen sich die vier Betroffenen des Beirats nicht ausreichend in die Entscheidung eingebunden und bezeichnen die Auflösung als einseitig. „Warum hat der Rat der EKD nicht beim Betroffenenbeirat nachgefragt, bevor er der Empfehlung des Beauftragtenrates gefolgt ist“, so Detlev Zander als Mitglied des Beirats. Man verlasse sich dort ganz auf das Urteil des Beauftragtenrates der EKD. Er fordere deshalb, auch den Beauftragtenrat pausieren zu lassen und zu evaluieren. Dort liege das eigentliche Problem. Sprecher des Beauftragtenrats ist der Braunschweiger Landesbischof Christoph Meyns.

Seit der Konstituierung des Betroffenenbeirats im September 2020 waren insgesamt fünf Mitglieder des zwölfköpfigen Gremiums zurückgetreten. Die extern durchgeführte Evaluation soll nach EKD-Angaben in diesem Jahr abgeschlossen sein.

https://www.katholisch.de/artikel/29795-ekd-loest-betroffenenbeirat-auf-mitglieder-kritisieren-vorgehen

Gute Ideen gemeinsam auf den Weg bringen

Wir freuen uns immer, wenn Orts- und Kreisverbände des DKSB’s mit Anregungen an uns herantreten. Auf so einer guten Idee basierte 2020 die Kampagne „Kinder sind unantastbar“.

Sie wurde auf Initiative des Ortsverbandes Würselen in Zusammenarbeit von Landesverband und zahlreichen Orts- und Kreisverbänden umgesetzt und fand viel Anklang. Als Selbsthilfsgruppe unterstützen wir das.

Jürgen von der Lippe, Dietmar Bär, Christine Urspruch und viele andere Prominente unterstützten die Kinderschutzbund-Kampagne gegen sexualisierte Gewalt . Die Idee wird mittlerweile von anderen Orts- und Landesverbänden des DKSB aufgenommen

Jahresbericht DKSB 2020

Stiftung Anerkennung und Hilfe: Meldefrist endet am 30.06.2021

Die „Stiftung Anerkennung und Hilfe“ wendet sich an Menschen, die zwischen dem 23.05.1949 und dem 31.12.1975 (bezogen auf Unterbringungen in der ehemaligen DDR: 07.10.1949 bis 02.10.1990) als Kinder oder Jugendliche in Einrichtungen der Behindertenhilfe oder Psychiatrien leben mussten und dort Leid – und Unrecht ertragen mussten, welches für sie Folgen bis heute hat.

Foto: Shutterstock 716987545

Dazu gehören auch Unterbringungen von Hör- oder sehgeschädigten Kindern in Heimen, Internaten oder Pflegestellen in Verbindung mit dem Besuch einer entsprechenden Förderschule.

Wer sich hiervon betroffen fühlt und im Rheinland lebt, kann sich noch bis 30. Juni 2021 bei der Anlauf- und Beratungsstelle des LVR melden, um Leistungen der Stiftung zu beantragen.

Betroffene erhalten eine pauschale Geldleistung in Höhe von 9.000 Euro zur Anerkennung von erlittenem Unrecht und zur Linderung der Folgewirkungen. Wer in den Einrichtungen sozialversicherungspflichtig gearbeitet hat, ohne dass Sozialversicherungsbeiträge gezahlt wurden, erhält darüber hinaus eine einmalige Rentenersatzleistung von bis zu 5.000 Euro.

Viele Menschen, die heute im Rheinland leben, haben sich noch nicht bei uns gemeldet.

Helfen Sie bitte mit und geben diese Information an die Betroffenen weiter.

Melden Sie sich bitte telefonisch: 0221-8095001 oder mit einer E-Mail: annerkennung-hilfe@lvr.de

Mehr Informationen unter: www.anerkennung-hilfe.lvr.de

LVR-Ratgeber informiert über Hilfen für Opfer von Gewalt

LVR-Ratgeber informiert über Hilfen für Opfer von GewaltService-Telefon für Betroffene: 0800 6546546Rheinland, 26. April 2021.

Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) hat neue Auflagen des Ratgebers für Opfer von Gewalttaten herausgegeben.

Neben deutsch, englisch, niederländisch und türkisch ist dieser jetzt auch in arabischer, französischer, polnischer und russischer Sprache unter www.opferentschaedigung.lvr.de als kostenloser und barrierefreier Download verfügbar.

Opfer von Gewalt sind nach der Tat häufig auf Schutz und praktische Hilfe angewiesen. Der Ratgeber informiert über die Folgen von Gewalt, stellt Hilfen zur Verarbeitung der Situation dar und bündelt Informationen über gesetzliche Voraussetzungen des Opferentschädigungsrechtes.

Ein Adressverzeichnis nennt Ansprechpersonen vor Ort für ganz Nordrhein-Westfalen (NRW).Der LVR ist im Rahmen des Sozialen Entschädigungsrechts für die Entschädigung für Opfer von Gewalttaten im Auftrag des Landes NRW zuständig und arbeitet dazu mit der Polizei, aber auch mit nichtstaatlichen Organisationen wie dem Weißen Ring e.V., zusammen. Betroffenen sowie deren Angehörigen steht die kostenlose Telefonnummer 0800 6546546 zur Verfügung.

Ein wichtiges Ziel der Opferentschädigung ist es, die unmittelbaren körperlichen und seelischen Folgen einer Gewalttat abzumildern oder bestenfalls bei deren vollständiger Überwindung zu unterstützen, zum Beispiel durch Finanzierung von medizinischen und beruflichen Rehabilitationsleistungen.

Neben den Betroffenen können auch ihre Hinterbliebenen, also Witwen und Witwer, Eltern oder Waisen Entschädigungsleistungen beantragen.

Wichtiger Hinweis vom LVR

Stiftung Anerkennung und Hilfe: Antragsfrist endet im Juni

Betroffene aus Psychiatrie und Behindertenhilfe können sich noch bis Ende Juni 2021 bei der Anlauf- und Beratungsstelle des LVR melden, um finanzielle Leistungen zu erhalten

Köln. 21. April 2021. Sie wurden geschlagen, zum Essen gezwungen und mit Psychopharmaka ruhiggestellt. Menschen, die als Kinder oder Jugendliche in den 50er- bis 70er-Jahren in Einrichtungen der Behindertenhilfe oder in psychiatrischen Kliniken lebten, haben oft unfassbares Leid und Unrecht erfahren. Viele von ihnen leiden bis heute unter den Folgen der seelischen und körperlichen Grausamkeiten.

Die von Bund, Ländern und Kirchen errichtete Stiftung Anerkennung und Hilfe, an der sich auch der Landschaftsverband Rheinland (LVR) beteiligt, zahlt betroffenen Menschen Geld zur Linderung der Folgewirkungen. Auch wer arbeiten musste, ohne dass Sozialversicherungsbeiträge gezahlt wurden, kann finanzielle Leistungen erhalten. Nun ist das Ende der Antragsfrist auf Leistungen der Stiftung in Sicht: Zum 30. Juni 2021 endet diese endgültig. Alle bis dahin eingehenden Anträge können noch bearbeitet werden. Meldungen, die später eingehen, können nicht mehr berücksichtigt werden.

„Nach der jüngsten Verlängerung der Anmeldefrist, für die wir uns sehr eingesetzt haben, naht nun deren Ende“, sagt LVR-Jugenddezernent Lorenz Bahr. „Viele Menschen haben sich noch nicht bei uns gemeldet. Sie möchte ich ermutigen, dies noch bis Ende Juni zu tun“, so Bahr weiter.

Für alle Menschen, die heute im Rheinland leben, ist die Anlauf- und Beratungsstelle beim LVR die richtige Adresse. Unter der Telefonnummer 0221 809-5001 sowie auf der Internetseite www.anerkennung-hilfe.lvr.de erhalten sie alle Informationen.

Betroffene bekommen eine pauschale Geldleistung in Höhe von 9.000 Euro zur Anerkennung von erlittenem Unrecht und zur Linderung der Folgewirkungen. Wer in den Einrichtungen sozialversicherungspflichtig gearbeitet hat, ohne dass Sozialversicherungsbeiträge gezahlt wurden, erhält darüber hinaus eine einmalige Rentenersatzleistung von bis zu 5.000 Euro.

Rund 1.900 Menschen aus dem rheinischen Landesteil haben sich bis heute bei der Anlauf- und Beratungsstelle des LVR gemeldet. 1.600 von ihnen haben über 15 Millionen Euro aus der Stiftung erhalten. Hiervon wurden rund 12 Millionen Euro als Anerkennung für erlittenes Unrecht und die Linderung der Folgewirkungen gezahlt. Über 3 Millionen Euro sind Rentenersatzleistungen.

Gutachten vorgstellt

Das Missbrauchsgutachten aus Köln liefert bei Weitem nicht die Erkenntnisse, die eine umfassende Aufarbeitung braucht. Es ist allenfalls ein Anfang.

Hier das Gutachten mit seinen langen Namen

Pflichtverletzungen von Diözesanverantwortlichendes Erzbistums Köln im Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen und Schutzbefohlenen durch Kleriker oder sonstige pastorale Mitarbeitende des Erzbistums Köln im Zeitraum von 1975 bis 2018″

Einladung zum Gespräch

Heute Abend habe ich als Sozialausschussvorsitzende und für den Bereich Soziales verantwortliche stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD-Fraktion im Städteregionstag gemeinsam mit Astrid E. Siemens ein Gespräch mit Christoph Simon und Lars Abelshausen geführt, die uns die Selbsthilfegruppe ehemaliger Heimkinder in der Städteregion Aachen vorgestellt haben.

Insbesondere in den Jahren 1949 bis 1975 kam es in der BRD zu physischen und psychischen Misshandlungen von Heimkindern. Betroffene, übrigens auch diejenigen, die nach diesem Zeitraum in Kinder- und Jugendheim lebten, können hier auf Facebook oder über die Homepage www.sehka.org Kontakt mit der Selbsthilfegruppe aufnehmen.

Janine Köster, SPD-Fraktion Städtregion Aachen, Vorsitzende des Sozialausschuss am 01.02.2021 auf Facebook