Wissen & Studien · Verschickungskinder
Verschickungskinder
Millionen Kinder wurden zwischen den 1950er und 1980er Jahren zur „Erholung" in Kurheime verschickt. Viele erlebten dort Zwang, Demütigung und Gewalt. Die Aufarbeitung hat spät begonnen — hier die zentralen Arbeiten zum Herunterladen.
Bürgerforschung der Betroffenen (AEKV)
Die Aufarbeitung der Verschickungskinder begann nicht in der Wissenschaft, sondern bei den Betroffenen selbst. Die Initiative Verschickungskinder und der Verein AEKV sammelten über 15.000 Fragebögen und tausende Erfahrungsberichte — eine Bürgerforschung, die das Thema überhaupt erst öffentlich sichtbar machte und die spätere wissenschaftliche Aufarbeitung anstieß.
Quelle: verschickungsheime.de
Von Miquel: Basis-Studie Nordrhein-Westfalen
Die im Auftrag des Landes NRW erstellte Studie unter Leitung von Marcus von Miquel gilt als erste systematische wissenschaftliche Aufarbeitung des Verschickungswesens für ein ganzes Bundesland. Sie ordnet die Erfahrungsberichte historisch ein, untersucht Trägerschaft und Aufsicht der Heime und benennt strukturelle Ursachen für die verbreiteten Missstände.
Herunterladen: Studie Verschickungskinder in NRW (PDF) · Quelle: land.nrw
LVR-Vorlage 15/359: Trauma „Verschickungskind" (2021)
Mit dieser Vorlage brachte die Direktorin des Landschaftsverbandes Rheinland das Thema in die politischen Gremien — den Ausschuss für Inklusion und den Landesjugendhilfeausschuss. Unter dem Titel „Verschickt, um gesund zu werden" dokumentiert sie Demütigung und Gewalt gegen Kinder in Kinderheilanstalten und hebt sie damit auf die kommunalpolitische Ebene.
Herunterladen: Vorlage15_359.pdf (LVR, 21.07.2021)
Geschichtswissenschaftliche Dokumentationen einzelner Heime (2021)
Stefan Kleinschmidt und Dr. Nicole Schweig legten geschichtswissenschaftliche Einzeldokumentationen mehrerer Kinderkur- und Erholungsheime vor — darunter Adolfinenheim Borkum, Helenkinderheim Bad Pyrmont, Seehospiz und Marienheim Norderney, Flinthörnhaus Langeoog sowie die Kinderheimat Bad Harzburg. Sie zeichnen Trägerschaft, Alltag und dokumentierte Missstände über die jeweilige Betriebszeit nach.
Herunterladen: Dokumentationen_Kinderkurheime_2021.pdf
Historische Quelle: Kinderheil- und Erholungsstätten (1920)
Ein Verzeichnis aus einem medizinischen Standardwerk von 1920 listet die Kinderheil- und Erholungsstätten in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf. Das Dokument belegt, dass die Wurzeln des Verschickungswesens weit vor die Nachkriegszeit zurückreichen — nützlich, um die lange Vorgeschichte einzuordnen.
Herunterladen: 1920_Bookmatter_ProphylaxeUndTherapieDerKinder.pdf
Bundesweite Aufarbeitung (Nützenadel/DRV, DAK)
Die Aufarbeitung ist inzwischen auch bundesweit angekommen: Eine von der Deutschen Rentenversicherung geförderte Studie unter Alexander Nützenadel (2025) untersucht die Rolle der Sozialversicherungsträger, und die DAK legte 2025 mit „Kur oder Verschickung?" eine eigene Aufarbeitung ihrer historischen Verantwortung vor.
Vom 19. bis 22. November 2026 treffen sich Betroffene und Forschende in Wyk auf Föhr. Ein wichtiger Ort für Austausch, Vernetzung und die Weiterführung der Aufarbeitung.