Wissen & Studien · Sexueller Missbrauch
Sexueller Missbrauch & institutionelle Aufarbeitung
Große wissenschaftliche Studien und Gutachten haben belegt, dass Missbrauch in Institutionen kein individuelles Fehlverhalten war, sondern strukturelles Versagen. Die wichtigsten in Kürze — mit PDF zum Herunterladen.
MHG-Studie — katholische Kirche (2018)
Im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz werteten Forschende aus Mannheim, Heidelberg und Gießen (daher „MHG") 38.156 Personalakten von Klerikern aus den Jahren 1946 bis 2014 aus. Ergebnis: 1.670 beschuldigte Kleriker (4,4 Prozent der geprüften Akten) und mindestens 3.677 betroffene Kinder und Jugendliche, davon rund zwei Drittel Jungen. Die Studie betonte, dass dies untere Schätzgrößen sind und das Dunkelfeld weit größer ausfällt — und benannte begünstigende Strukturen.
Herunterladen: MHG-Studie-gesamt.pdf · Quelle: dbk.de
ForuM-Studie — evangelische Kirche (2024)
Das unabhängige Forschungsteam der ForuM-Studie legte für den Bereich der EKD mindestens 2.225 Betroffene und 1.259 mutmaßliche Täter offen — und rechnete in einer vorsichtigen Hochrechnung auf rund 9.355 Betroffene bei etwa 3.497 Beschuldigten hoch. Anders als bei der katholischen MHG-Studie konnten die Landeskirchen nicht flächendeckend Personalakten bereitstellen, sodass von einer erheblichen Untererfassung auszugehen ist.
Veröffentlicht von der EKD (2024). [PDF-Link ergänzen, falls Sie die Studie im Ordner ablegen]
Gutachten Erzbistum Köln (Gercke Wollschläger, 2021)
Das juristische Gutachten der Kanzlei Gercke Wollschläger untersucht Pflichtverletzungen von Diözesanverantwortlichen des Erzbistums Köln im Umgang mit Missbrauchsfällen zwischen 1975 und 2018. Es benennt konkrete Verantwortliche und systemische Fehler und formuliert Handlungsempfehlungen — mit erheblichen kirchenpolitischen Folgen.
Herunterladen: Gutachten Erzbistum Köln (PDF)
IPP-Studie Bistum Essen (2023)
In einem knapp dreijährigen Forschungsprozess untersuchte das Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP München) sexualisierte Gewalt durch Geistliche im Bistum Essen seit 1958. Der Bericht nimmt nicht nur die Betroffenen in den Blick, sondern auch ganze Pfarrgemeinden und die Rahmenbedingungen, die diese Gewalt ermöglicht haben — fallbezogen und gemeindeorientiert.
Herunterladen: 230213_IPP_Studie_Bistum_Essen_final.pdf
Macht und sexueller Missbrauch — Bistum Münster (2022)
Die historische Studie eines Teams um Thomas Großbölting und Bernhard Frings untersucht Missbrauch in der katholischen Kirche am Beispiel des Bistums Münster. Sie bestätigte die Größenordnung der MHG-Studie, arbeitete Muster der Vertuschung heraus und zeigte, wie kirchliche Machtstrukturen Täter schützten.
Herunterladen: macht_und_sexueller_missbrauch_im_bistum_muenster.pdf
Missbrauchsstudie Universität Paderborn (2026)
Die rund 700 Seiten starke Studie der Universität Paderborn bestätigte für das Erzbistum Paderborn, dass Missbrauch nicht individuelles Fehlverhalten, sondern institutionelles Versagen war. Erzbischof Udo Markus Bentz bat öffentlich um Verzeihung und kündigte an, die Erkenntnisse mit der Unabhängigen Aufarbeitungskommission abzugleichen.
Quelle: MBS-Volltext (Uni Paderborn)
Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs
Die bei der Unabhängigen Beauftragten (UBSKM) angesiedelte Kommission untersucht seit 2016 Ausmaß, Art und Folgen sexualisierter Gewalt in der Bundesrepublik und der DDR. Kern sind vertrauliche Anhörungen und Berichte Betroffener. Kommission und UBSKM setzen sich für ein gesetzlich verankertes Recht auf Aufarbeitung ein — ein Anliegen, das wir teilen.
Betroffene können sich anonym und kostenfrei melden: 0800 4030040. Quelle: aufarbeitungskommission.de
Warum das für uns zählt
Diese Studien belegen mit wissenschaftlicher Autorität, was Betroffene seit Jahrzehnten sagen. Sie stützen unsere Forderung, dass Anerkennung nicht am Vollbeweis des einzelnen Opfers hängen darf. Mehr dazu unter Standpunkte & Aufarbeitung.