Ehemalige Heimkinder Selbsthilfegruppe · Städteregion Aachen

Wissen & Studien · Heimerziehung

Studien & Berichte zur Heimerziehung

Was in den Heimen zwischen 1949 und 1975 geschah, ist gut dokumentiert. Hier finden Sie die zentralen Untersuchungen — jeweils kurz zusammengefasst und als PDF zum Herunterladen.

Runder Tisch Heimerziehung — Abschlussbericht (2010)

Der von Bund, Ländern und Kirchen eingesetzte Runde Tisch war die erste umfassende Aufarbeitung der Heimerziehung in der frühen Bundesrepublik. Sein Abschlussbericht hielt fest, dass in den Jahren 1949 bis 1975 bis zu 800.000 Kinder und Jugendliche in Heimen lebten und viele dort systematische Gewalt, Demütigung, Zwangsarbeit und den Entzug von Bildung erfuhren. Zentrale Erkenntnis: Das Leid war nicht bloß individuellen Übergriffen zuzuschreiben, sondern einer zum System gewordenen Erziehungspraxis. Aus dem Bericht ging der Fonds Heimerziehung hervor.

Herunterladen: RTH_Abschlussbericht.pdf (AGJ, Berlin 2010)

„Da bin ich heute krank von" — Traumabewältigung

Diese Expertise von Silke Birgitta Gahleitner und Ilona Oestreich geht der Frage nach, was ehemaligen Heimkindern bei der Bewältigung ihrer Traumatisierung tatsächlich hilft. Sie verbindet die Perspektive der Betroffenen mit traumapädagogischem und therapeutischem Wissen und formuliert Empfehlungen für passende, verlässliche Hilfen im späteren Leben.

Herunterladen: RTH_dabinichhautekrankvon.pdf

Fonds Heimerziehung West/DDR (2012–2018)

Als Reaktion auf den Runden Tisch richteten Bund, Länder und Kirchen zwei ergänzende Hilfesysteme ein — den Fonds „Heimerziehung West" (1949–1975) und den Fonds „Heimerziehung DDR" (1949–1990). In ihrer Laufzeit nahmen über 40.000 Betroffene Unterstützung in Anspruch; insgesamt wurden Hilfen im Wert von rund 485 Millionen Euro geleistet, auch zum Ausgleich von Rentennachteilen. Neuanträge sind seit Ende 2018 nicht mehr möglich.

Quelle: BMFSFJ. bmbfsfj.bund.de

Stellungnahme der Bundesregierung zum Fonds-Abschlussbericht

Die offizielle Reaktion der Bundesregierung auf den Abschlussbericht des Fonds Heimerziehung. Sie würdigt die geleisteten Hilfen, benennt die Anerkennung des zugefügten Unrechts und äußert sich zu offen gebliebenen Fragen — ein wichtiges Dokument für die politische Bewertung der Aufarbeitung.

Herunterladen: stellungnahme-der-bundesregierung-…-fonds-heimerziehung.pdf

Stiftung Anerkennung und Hilfe (2017–2023)

Diese Stiftung schloss eine Lücke der Fonds: Sie war für Menschen da, die als Kinder und Jugendliche in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe oder der Psychiatrie Leid und Unrecht erfahren hatten (BRD 1949–1975, DDR 1949–1990). Bis zur Anmeldefrist am 30. Juni 2021 meldeten sich die Betroffenen; insgesamt wurden rund 245 Millionen Euro an fast 24.000 Menschen ausgezahlt, begleitet von einer bundesweiten wissenschaftlichen Aufarbeitung.

AFET-Expertise: Heimerziehung 1945–1970

Die Expertise von Melanie Mangold (Leitung: Prof. Christian Schrapper, Universität Koblenz) im Auftrag des Fachverbands AFET untersucht die zeitgenössischen fachlichen Positionen zur Heimerziehung. Sie zeigt, wie die Fachwelt selbst zwischen 1945 und 1970 über Heimerziehung dachte — und dass durchaus früh Kritik an den Zuständen formuliert wurde, die sich jedoch kaum durchsetzte.

Herunterladen: 00.AFET-Heimerziehung1950er-60er.pdf

Klaus Wolf: Machtstrukturen in der Heimerziehung (2010)

Der Erziehungswissenschaftler Klaus Wolf analysiert, wie institutionelle Machtasymmetrien Gewalt, Missbrauch und Vernachlässigung in Heimen nicht nur ermöglichten, sondern begünstigten. Seine These: Es handelte sich nicht um Einzelversagen, sondern um Strukturen. Der Text ordnet die Berichte Betroffener theoretisch ein und macht sie erklärbar.

Herunterladen: 6_2010_wolf.pdf (np 6/2010)

Keupp, Straus u. a.: „Ausgeliefert und verdrängt" (2021/2022)

Die Forschungsgruppe um Heiner Keupp rekonstruierte begleitend zur Bayerischen Anlauf- und Beratungsstelle die Lebensläufe ehemaliger Heimkinder. Die Studie weist ein bis dahin unbekanntes Ausmaß an Vernachlässigung, Misshandlung und sexualisierter Gewalt zwischen 1949 und 1975 nach — und zeigt, wie diese frühen Schädigungen sich lebenslang auf Gesundheit, soziale Lage und Beruf auswirken.

Quelle: Keupp u. a., Trauma & Gewalt 16(4), 2022. elibrary.klett-cotta.de

Praktisch für Betroffene: Akteneinsicht

Der Runde Tisch hat eigens eine Empfehlung erarbeitet, wie ehemalige Heimkinder Einsicht in ihre alten Akten erhalten — mit den datenschutzrechtlichen Grundlagen und konkreten praktischen Hinweisen. Hilfreich für alle, die ihre eigene Geschichte belegen wollen.
Herunterladen: Akteneinsicht.pdf